Wir hocken derzeit bei 95%iger Luftfeuchte in unseren Wohnzellen in Mumbai und genießen den Monsun. Sofort entgleiten mir die Gesichtszüge Gedanken hin zum letzten Wochenende in Pune, als wir uns auf zur Festung Sinhgad machten. Diese liegt 700m hoch und bietet einen herrlichen Rundumblick. Die Sonne schubste kurzzeitig die fetten, schweren Wolken zur Seite und brachte Felder zum Glitzern. Durch die ständigen Regenfälle hatten sich allerdings auch überall Wasserfälle gebildet, die sich vorbehaltslos jeden Hügel hinabstürzten, den sie ausfindig machen konnten.

pune 003
Alle Fotos öffnen sich wie gewohnt als Pop-Up.

Nachdem wir doch glatt den hinter einer Werbetafel versteckten Wegweiser übersehen hatten, fuhren wir einfach geradeaus. Dass etwas nicht mit rechten Dingen zuging, fiel uns auf, nachdem wir mehrfach fast von diversen vulkanischen Röhren verspeist worden waren ;D und die Asphaltflicken stetig weiter auseinander rückten. Wir fragten einen alten Mann, der durch die inzwischen wieder regnerische Landschaft kraxelte, und er teilte uns mit, dass es zwei Wege zur Sinhgad Festung gebe. Einer davon sei befahrbar. Nicht dieser hier. Gut. Wir drehten also um, suchten hinter monströsen Palmenwedeln und anderem Dschungeldickicht nach einer zweiten Straße und fanden sie schließlich auch.

pune 004
Im Hintergrund schlängelt sich der Khadakvasla See durch die zunehmend düstere Landschaft.

pune 008

Der Weg nach oben war beschwerlich und ruinierte unser frisch repariertes ABS-System. Aber das macht nichts. Wir hatten ja noch drei Tage Garantie auf die Reisschüssel, also waren wir ganz indisch-desinteressiert und knarzten weiter nach oben. Doch je weiter wir den geteerten Trampelpfad empor kletterten, desto mehr franste der Himmel aus, bis wir mit den Köpfen sprichwörtlich in den Wolken hingen.

pune 005

pune 009

Oben angekommen nieselte es; der Wind zerrte unablässig an den zitternden Bäumen und dicke Nebelsuppe breitete sich gleichmäßig in allen Ritzen aus. Wir beobachteten ein herrliches Schauspiel, das kein Foto einfangen kann: in rasender Geschwindigkeit geschten die Wolken/der Hochnebel die Hügel hinauf und flatterten dann einfach so davon. Zwischen Himmel, Wolken und Nebel konnte man nicht mehr unterscheiden. Hin und wieder entdeckten wir Fetzen des Tals, dann war plötzlich wieder alles einfach nur weiß um uns herum.
Von der Festung sahen wir nur kurze, undeutliche Schatten, doch obwohl wir deswegen und der Aussicht wegen auf die Alm gekrochen waren, war uns das ziemlich egal. Wir bekamen ein so herrliches Wolkenschauspiel geboten, dass uns die Abwesenheit alter Ruinen gar nicht weiter auffiel. Zur Stärkung der klappernden, klirrenden Glieder gab es zwei Tassen verdammt leckeren Chais (Gewürztee) und Pyaaz Pakoda. Das sind geschnippelte Zwiebeln in einer knusprig fritterten Hülle aus Linsenteig. Heiß. Fettig. Absolut nicht nahrhaft. Aber lecker. Und hier oben war es so windig, dass es einem den feurigen Zwiebelgeruch gleich aus den Poren bließ. :>>

pune 010

pune 006
Joghurt aufm Berg. In gebackenen Tonschalen.

pune 007

Doch alles hat ein Ende, so auch unsere Fähigkeit, uns in luftiger Sommerkleidung gegen den beißenden Wind zu schützen. Also ab ins Auto und die Piste wieder runterrollen. Langsam schlitterten wir aus den Wolken wieder heraus und konnten das Tal sehen. Und so sahs aus:

pune 011